Forschungslage

Forschungslage
Die IPT wurde ursprünglich zur Behandlung von ambulanten, erwachsenen Patienten mit unipolarer Depression entwickelt. Zwischenzeitlich liegen zahlreiche Modifikationen vor, die sich entweder auf andere psychische Störungen beziehen (z.B. Essstörungen, bipolare Störungen, PTSD, soziale Angststörungen oder Dysthymie), andere Patientencharakteristika einbeziehen (z.B. Jugendliche oder ältere Patienten, andere Kulturen), den zeitlichen Rahmen verändern (Erhaltungsform, Kurzberatung) oder das Behandlungssetting (stationär, Gruppen- oder Paartherapie, per Telefon oder Internet) erweitern. Die Wirksamkeit der IPT ist sowohl für die ursprünglich fokussierte Indikationsgruppe als auch für die Erweiterungen umfassend untersucht worden (s. z.B. Ravitz und Watson, 2014; Cuijpers et al. 2011).

Die Entwicklung der IPT verlief von Anfang an bis heute in einem Forschungskontext: Bereits in den 1970er-Jahren wurden von der Arbeitsgruppe um Klerman mehrere Studien durchgeführt (Klerman et al. 1984, Weissman et al. 1979), die die Überlegenheit der IPT gegenüber unspezifischer psychotherapeutischer Behandlung zeigen konnten.

Ausgehend von den insgesamt positiven Ergebnissen in der Akutbehandlung wurden in der Folge weitere Wirksamkeitsstudien durchgeführt, sodass in einer Metaanalyse von Cuijpers et al. (2011) der Wirksamkeitsnachweis gegenüber Placebo- bzw. Kontrollbedingungen und einer Gleichwertigkeit gegenüber KVT erbracht wurde. Als weniger wirksam erwies sich die IPT im Vergleich zu SSRIs bei Dysthymie und in der Kombination wirksamer als alleinige Medikation (sowohl akut als auch in der Erhaltungsphase).

Die bereits weiter oben erwähnten Modifikationen der IPT für Subgruppen von Patienten mit depressiven Störungen konnten in weiteren Wirksamkeitsstudien erfolgreich umgesetzt werden: bei depressiven jugendlichen und älteren Patienten, bei postpartalen Depressionen, bipolaren Störungen (Frank et al. 2000, siehe weiter unten), Essstörungen, PTSD und bei anderen Kulturen sowie im stationären Setting (Überblick bei Schramm 2010; Ravitz und Watson, 2014). Weniger erfolgreich erwies sich die Methode bei anorektischen Patienten, Dysthymie und chronischer Depression sowie Substanzabhängigkeit (zus.f. Ravitz und Watson, 2014). Eine umfassende Beschreibung der meisten Modifikationen mit ausführlichen Fallbeispielen findet sich bei Markowitz und Weissman (2012).

Studien zu den Wirkmechanismen der IPT liegen erst vereinzelt vor (zusammenfassend Schramm, 2010; Lipsitz und Markowitz, 2013). Aus den bisher wenigen Prozessanalysen lässt sich ableiten, dass komplexe Interaktionen zwischen Patientenmerkmalen (z. B. Feindseligkeit), dem Therapeutenverhalten (z. B. Kompetenz) und anderen Prozessvariablen (z. B. Manualtreue) bestehen. Diese Faktoren beeinflussen sich gegenseitig und schließlich den Behandlungserfolg. Es bleibt weiterhin zu überprüfen, ob der interpersonelle Fokus und die spezifischen Therapiestrategien der Hauptgrund für die Effektivität dieses Ansatzes sind. Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass die IPT ein wirksames Therapieverfahren darstellt, das besonders den zwischenmenschlichen Kontext berücksichtigt. Das Vorgehen ist keiner der etablierten Therapieschulen zuzuordnen und verwendet sowohl eigene spezifische als auch von anderen Therapierichtungen entlehnte Techniken. Modifikationen des Vorgehens liegen zwischenzeitlich vor, deren Anwendung ebenfalls zumeist erfolgreich umgesetzt werden konnte.